Socially Responsible Investment

Socially Responsible Investment („SRI“) >>

„Mit dem Begriff Nachhaltigkeit tut man sich im Deutschen schwerer als im Englischen mit Sustainability. Denn nachhaltig bedeutet in unserer Sprache nur „auf längere Zeit anhaltend und wirkend,” während sustain auch das „am Leben erhalten“ bezeichnet, und darum geht es ja: mit der Erde so umzugehen, dass die Menschheit lebensfähig bleibt oder – mit den Worten des Brundtland-Reports – dass wir künftigen Generationen nicht die Möglichkeit nehmen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. So sind auch Geldanlagen nicht schon dann nachhaltig, wenn sie fortlaufend gute Erträge bringen; sie müssen auch in ökologischer und sozial-kultureller Hinsicht zur Zukunftsfähigkeit der Menschheit beitragen. Wann diese Bedingung erfüllt ist, darüber besteht besonders bei den Managern von Anlagefonds Unsicherheit. Verbreitet ist die Neigung, Anlageformen schon dann mit dem Gütezeichen „Nachhaltige Geldanlage“ zu versehen, wenn sie nur in einzelnen Bereichen – sozial, religiös, ökologisch – den Wertvorstellungen der jeweiligen Anleger entsprechen.“

Um hier Begriffssicherheit zu schaffen, hat die Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating auf Anregung des „Forums Nachhaltige Geldanlagen“ und des Vereins „Ethisch orientierte Investoren (CRIC e.V.)“ in Darmstadt einen Expertenworkshop zum Thema „Begriff und Verständnis nachhaltiger Geldanlagen“ veranstaltet. In der Expertengruppe haben Vertreter von Unternehmen unterschiedlicher Branchen, von Banken, von Investoren, aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft mitgewirkt. Das Ergebnis ist die „Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen“: Nach Meinung aller Experten, die an der Erarbeitung der Darmstädter Definition mitgewirkt haben, soll sie dazu dienen, dem Begriff und Verständnis von Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Verwaltung mehr Klarheit und Stringenz zu verschaffen. So kann in der Öffentlichkeit und ganz besonders bei Investoren das Bewusstsein gestärkt werden, dass nachhaltige Geldanlagen ein Schlüssel für die Förderung einer zukunftsfähigen Wirtschaft sind. Wir hoffen daher, dass möglichst viele Menschen in unserer Gesellschaft diese Definition unterstützen und ihr als Akteure unserer Wirtschaft, ganz gleich ob als Konsumenten, Investoren oder Manager, Nachdruck verleihen.“

(Prof. Dr. Johannes Hoffmann, Leiter der Projektgruppe ethisch-ökologisches Rating der Universität Frankfurt a.M., und Prof. Dr. Gerhard Scherhorn, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, 2004)

Das integrative „Nachhaltigkeitsdreick“:

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„Status Quo“: >>

Die Welt steht inmitten von dramatischen Veränderungen. Wirtschafts- und Finanzkrise, ein durch CO2-Ausstoß bedingter Klimawandel, Ressourcenknappheit, Bevölkerungswachstum und Armut sind nur einige der Stichworte, die viele überzeugt haben, dass wir so wie bisher nicht weitermachen können. In diesem Umfeld wird nach neuen Wegen gesucht, wie sich Staaten, Unternehmen und Bürger verantwortungsvoll verhalten können.

Nachhaltigkeit– also die Abwägung von wirtschaftlichen und sozialen Zielen mit dem Verbrauch von Ressourcen – ist in aller Munde. Für Unternehmen ergibt sich so ein neues Wettbewerbsumfeld: Durch Regierungen oder in freiwilligen Vereinbarungen werden neue Richtlinien oder Grenzwerte bestimmt. Kunden verlangen nach „grünen“ Produkten. Viele Interessengruppen bewerten das Verhalten der Unternehmen und üben mit ihren jeweiligen Mitteln Druck auf Unternehmen, Regierungen
und Kunden aus.

Durch die Finanzkrise haben nicht wenige Menschen ihr Vertrauen in die Wirtschaft verloren. Unternehmerische Verantwortung, Corporate Social Responsibility (CSR) zu leben und zu zeigen ist heute deshalb wichtiger als je zuvor. Unternehmen, die es schaffen, gleichermaßen wirtschaftlich, nachhaltig und sozialverträglich zu handeln, sichern sich langfristig ein hohes Ansehen und erzielen einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil.

Das nachhaltige Investment hat seine oft ihm zugewiesenen Funktion als „Nische“ im Kapitalmarkt längst verlassen, was die unten aufgeführten Zahlen für das Socially Responsible Investment („SRI“), insbesondere in Großbritannien, eindrucksvoll beweisen.


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Quelle: EUROSIF, Stand 31.12.2008, in Mrd. Euro Volumen aller nachhaltigen Anlagen im weiten Sinne

„Zukunftsperspektiven“: >>

Denkt man an die nächsten Jahre, so resultieren aus der vorliegenden Konstellation drei mögliche Zukunftsszenarien, von denen zwei extrem bedrohlich und nicht mit Nachhaltigkeit vereinbar sind. Die drei Fälle ergeben sich aus der Frage, ob die beiden großen weltethischen Postulate: (1) Schutz der Umwelt und Ressourcenverbrauch und (2) Beachtung der Würde aller Menschen erreicht werden. Gelingt (1) nicht, machen wir weiter wie bisher, kommt der Kollaps. Gelingt (1), ist die Frage „wie?“. Durch Macht zugunsten weniger, zu Lasten vieler. Dann landen wir in der sogenannten Brasilianisierung, also der massiven Verarmung großer Teile der Bevölkerung reicher Länder, ein Prozess, der schon begonnen hat. Nur im Fall von Konsens landen wir in einem Modell mit Perspektive, einer weltweiten ökosozialen Marktwirtschaft, wie wir sie in Europa kennen. Dieses Modell gewinnt in der aktuellen Weltfinanzmarktkrise endlich vermehrtes Interesse, nachdem sich die „Religion“ des Marktfundamentalismus und die dauernde Propagierung der Überlegenheit des freien Marktes als das erwiesen haben, was sie sind: Programme.

„Nachhaltigkeit kommt nicht so nebenbei. Sie ist unsere einzige vernünftige Zukunftschance, aber sie verlangt sehr viel Einsatz, auf vielen Ebenen: Einsicht und Handeln, Mut und Intelligenz. Der Global Marshall Plan eröffnet einen Schritt in die richtige Richtung, die laufenden Verhandlungen zu Bretton Woods II, Kyoto II etc. sind wichtige Handlungsfelder. Man muss sie nutzen.“

(Prof. Dr. Dr. FRANZ JOSEF RADERMACHER, Präsident des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft, Vizepräsident des Ökosozialen Forum Europa sowie Mitglied des „Club of Rome“ 2008)

Für die zukünftige Entwicklung des nachhaltigen Investments sehen die in einer EUROSIF-Studie befragten Asset Manager verschiedene Motive. Besondere Bedeutung haben danach die institutionellen Investoren wie Kirchen, Pensionsfonds, Stiftungen und Versicherungen. Bei ihnen wird, so die Einschätzung, das nachhaltige Investment weiter an Bedeutung gewinnen. Die Gesetzgeber, Z.B. mit einer „Nachhaltigkeits-Charta“ sowie der externe Druck durch Researchinstitute, Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werden als weitere wichtige Treiber angesehen. Bemerkenswert ist, dass die Frage des materiellen Vorteils, also danach, ob nachhaltige Anlagen eine bessere Wertentwicklung haben als konventionelle Anlagen, nur von 22 Prozent der Befragten als wichtig für die zukünftige Entwicklung des Marktes angesehen wird.

Angaben in der EUROSIF-Studiengrafik unten in Prozent der treibenden Faktoren:

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